Nach ukrainischen Drohnenangriffen auf Rechenzentren des russischen Internetkonzerns Yandex verbreitet sich in sozialen Netzwerken eine bemerkenswerte Behauptung: Die russische Propagandamaschinerie sei massiv beeinträchtigt worden, zahlreiche Bots seien verstummt. Als Beleg dient eine Grafik des Internetdienstleisters Cloudflare, die einen dramatischen Rückgang automatisierter Zugriffe zeigt. Doch die Daten geben diese Schlussfolgerung nicht her.
Die Angriffe auf mehrere Yandex-Rechenzentren zwischen dem 8. und 11. Oktober sind dokumentiert. Auch der Einbruch des sogenannten Bot-Traffics lässt sich anhand der Cloudflare-Daten nachvollziehen. Am 11. Oktober sank die Zahl automatisierter HTTP-Anfragen aus dem Yandex-Netzwerk AS13238 zeitweise auf nahezu null im Vergleich zum vorherigen Niveau.
Was Cloudflare tatsächlich misst
Der entscheidende Unterschied: Cloudflare erfasst automatisierte Anfragen an Websites, die seine Infrastruktur nutzen. Dazu gehören beispielsweise Suchmaschinen-Crawler, die das Internet systematisch nach neuen Inhalten durchsuchen. Yandex betreibt als Suchmaschinenanbieter solche Programme in großem Umfang.
Die Grafik zeigt also weder die Anzahl russischer Propaganda-Accounts noch deren Beiträge auf X, Facebook oder anderen Plattformen. Sie misst auch nicht, wie viele Menschen durch russische Desinformation erreicht werden. Die dargestellten Werte sind zudem normalisiert: Sie zeigen Veränderungen gegenüber einem Höchstwert, keine absoluten Zahlen aktiver Bots.
Hinzu kommt, dass gleichzeitig auch anderer Datenverkehr aus der Yandex-Infrastruktur erheblich zurückging. Das spricht für eine umfassendere technische Störung und nicht speziell für den Ausfall politischer Einflussoperationen.
Kein Nachweis für einen Rückgang der Propaganda
Um einen Zusammenhang zwischen den Angriffen und russischen Desinformationskampagnen nachzuweisen, müssten konkrete Netzwerke untersucht werden: Haben identifizierte Propaganda-Accounts ihre Aktivitäten reduziert? Sind koordinierte Veröffentlichungen ausgeblieben? Haben sich Reichweiten und Interaktionen verändert?
Diese Fragen beantwortet die Cloudflare-Grafik nicht. Auch unabhängige Recherchen von The Verge und dem Guardian widersprechen der Interpretation, der Einbruch des Yandex-Traffics belege einen Zusammenbruch russischer Propagandanetzwerke.
Fazit: Die Angriffe haben offenbar erhebliche Teile der Yandex-Infrastruktur beeinträchtigt. Dass dadurch russische Desinformationskampagnen in sozialen Netzwerken massiv zurückgegangen sind, ist nicht nachgewiesen. Die verbreitete Grafik zeigt einen technischen Einbruch, aber keinen Zusammenbruch der russischen Propaganda.







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